Olympische Sommerspiele und Zika-Virus

Was bedeutet der Zika-Virus für Reisende und die olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien?

Nicht nur die Olympischen Spiele in 2016 in Brasilien werden von dem Virus überschattet, das inzwischen den Süden der USA erreicht hat. Neben der direkten Betroffenheit von Schwangeren durch Insektenstiche, zeigt sich nun, dass das Virus auch zwischen Menschen übertragen werden kann.

Frau PD Dr. med Melissa Blau von der  med con team GmbH in Reutlingen hat zum Zika-Virus umfangreich recherchiert und hier zusammengefasst:

 

Was ist der Zika-Virus und wo kommt er vor?

Das ZIKA-Virus ist ein Flavivirus, das endemisch in Afrika und Südostasien vorkommt. Bis 2007 waren weniger als 15 Infektionen beim Menschen bekannt. Da nun die Viruserkrankung und ihre möglichen Folgen (Mikrozephalie beim Neugeborenen) seit 2015 gehäuft auch in Lateinamerika und in weiteren 24 Staaten der Welt (beinahe in allen lateinamerikanischen Ländern) aufgetreten sind, hat die WHO den „öffentlichen Gesundheitsnotstand internationalen Ausmaßes“ am 1. Februar 2016 aufgerufen und vor Ausbreitung auf dem gesamten amerikanischen Kontinent – mit Ausnahme von Chile und Kanada (wo es die Stechmücke nicht gibt) – gewarnt. Experten hatten zu Beginn des Jahres auch vor einem möglichen Ausbruch einer Pandemie während der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro gewarnt.

 

Über die Infektion mit dem Zika-Virus wird zurzeit viel in den Medien berichtet. Wie riskant ist es, in die betroffenen Länder zu reisen?

Bei schwangeren Frauen, die in ein Virusausbruchsgebiet reisen, besteht eine Gefahr für den Fötus bei Infektion mit dem Zika-Virus. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht auszuschließen, dies bedeutet, dass auch männliche Reisende, die in die Infektionsausbruchsgebiete reisen, das Virus an die schwangere Lebenspartnerin übertragenen könnten. Es gibt aber noch keine Erkenntnisse wie lange das Zika-Virus im Sperma überlebt und Frauen bei Sexualkontakten infizieren könnte.

 

Wie kann ich als Reisender vorbeugen und mich oder meine Partnerin schützen?

Es gibt leider derzeit kein wirksames Medikament oder Schutzimpfung gegen das ZIKA-Virus.

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und das Auswärtige Amt warnen vor Reisen schwangerer Frauen in die ZIKA-Virus-Ausbruchsgebiete. Sie empfehlen die Verwendung von Moskitonetzen zum Schutz vor Stichen bei unvermeidbaren Reisen. Des Weiteren wird aktuell von Gesundheitsbehörden in den USA und in Europa empfohlen: „Wegen der sexuellen Übertragbarkeit sollten Männer, die aus dem Zika-Gebiet ausreisen, für einen Monat nur mit Kondom Sexualkontakt haben, gerade dann, wenn der Eintritt einer Schwangerschaft bei der Partnerin möglich ist – oder ohnehin bereits eine Schwangerschaft vorliegt. Männer, bei denen eine Zika-Infektion diagnostiziert wurde, sollten sogar 6 Monate lang Kondome nutzen, um die Partnerin nicht anzustecken. Auch Blut sollte erst 28 Tage nach der Ausreise aus Zika-Gebieten gespendet werden.“

 

Und wenn es doch zu einer Infektion kommt?

Die Infektion selbst ist relativ harmlos, die Symptome der ZIKA-Infektion ähneln anderen viralen Infektionen oder der Grippe. Daher ist eine genaue Diagnosestellung aufgrund der Symptomatik schwierig. Bei 20% der Infizierten treten Fieber, Hautauschlag, Bindehautentzündung und Gliederschmerzen auf, die mit Fieber- und Schmerzmitteln gelindert werden können. Die Symptome dauern in der Regel kürzer als eine Woche an. Der Virusnachweis im Blut gelingt meist nur in den ersten 3-4 Tagen nach Infektion. Bei Schwangeren, bei denen das ZIKA-Virus im Blut nachgewiesen wurde, sollte die Schwangerschaft besonders engmaschig überwacht werden.

 

Gibt es noch weitere Zusammenhänge und neue Erkenntnisse?

Die Zika-Virus Infektion bewirkt möglicherweise bei Erwachsenen auch neurologische Spätfolgen, wie zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom oder Meningoenzephalitis. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs ist nicht völlig auszuschließen, da es sich vermutlich um ein neurotropes (nervenbefallendes) Virus handelt. Dies muss in Zukunft noch näher untersucht werden. Zudem konnte gezeigt werden, dass Antikörper gegen das Dengue-Fieber-Virus das Infektionsausmaß der Zellen durch das Zika-Virus erhöht.

 

Kann man die Olympiade in Rio besuchen oder als Sportler teilnehmen?

Ein Experten-Team der WHO prüft derzeit, inwieweit das Zika-Virus die Olympischen Spiele in Rio gefährden kann. Hierzu der Hamburger Tropenmediziners Jonas Schmidt-Chanasit: „die Spiele werden stattfinden, das käme ja sonst einem Boykott gleich.“ Dass etliche Sportler ihre Teilnahme in Rio aus Angst vor dem Zika-Virus abgesagt haben, hält der Tropenmediziner für eine „voreilige Entscheidung“. „Wenn man es wegen des Zika-Virus absagt, könne man genauso sagen, man sage wegen des Dengue-Virus ab oder wegen zig anderer Viren“. Das Risiko sei überschaubar, aber es sollten die notwendigen Vorkehrungen (Moskitoschutz, Kondome bei schwangeren Frauen verwenden) eingehalten werden.

 

 

med con team berät und unterstützt Reisende weltweit rund um die Themen Gesundheit, Sicherheit und Umweltrisiken.

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